MojoBrasilien

Urlaubssemester Brasilien

Tuesday, October 31, 2006

Interbio (12.10 - 15.10.06)

oder "Planet der Affen II"

Ich sitze auf der Wiese und geniesse die Spaetnachmittagssonne. Ich versuche zu ergruenden, was die Ursache dafuer ist, dass ich so ein starkes Unbehagen empfinde.
Aus der Stereoanlage, die unmittelbar an den Campingplatz angrenzt und auf diesen ausgerichtet ist, damit sich die Brasilianer in ihren Zelten nicht so langweilen, wenn sie schlafen wollen, donnert eine Mischung aus Futuretrance und Schwulentechno.
Es hoert sich an wie ein 24h-Mix von Mr. Oizo.
Das Problem ist, diese Wiese ist mit Abstand der leiseste Ort auf dem ganzen Gelaende der Interbio!
Interbio bedeutet: die residente Primatenfauna Brasiliens trifft sich um Fussball-, Volleyball-, und Handballspiele zu beobachten, waehrend sie stundenlang auf Resonanzkoerper haemmert und die ueblichen Drogen konsumiert: Bier, "Mary Jane" & Chlorophormi.
Und eine weitere Droge, deren Namen uns bisher leider nicht bekannt ist, welche die Leute dazu veranlasst (vorwiegend Maenner) knappe Roeckchen zu tragen, ihre Arschbacken zu bemalen und Handstandueberschlaege zu schlagen, waehrend sie feststellen, dass sie morgens nach dem Aufstehen vergessen haben ihre Unterwaesche anzuziehen.
Vor lauter Freude, Tanzen, Trommeln und Drumrum wird auch oftmals vergessen, dass ueberhaupt noch ein Volleyball-Match am Laufen ist. Wenn das Spiel endlich vorbei ist, wird das kollektive "Schwanz im Arsch der USP" zu Ehren des Verlierers angestimmt. Es fliegen Bierdosen...
Hier gibts neben Maennern in Frauenklamotten und mit pinken Baerten, Sauftrichter, Umschnallbrueste, jede Menge Trillerpfeifen, Troeten, Megaphone mit Titanic-Melodie, die in sporadischen Abstaenden Tag und Nacht abgespielt wird und jedesmal eine heftige Aversionsreaktion ausloest, auch die tollsten Frisuren in allen Farben: Irokesen, Moenche, Afros, Kopfhoerer, Halbglatzen und randomisierte Kahlstellen.
Auf dem gruenen Leibchen der USP-Ribeirão prangte der Schriftzug: "Mais loucos que o Batman", was wieder mal nicht zu viel versprochen war!






Diese ganzen Impressionen verleiten zu folgendem Resumee:

Tudo Bom :
"Tudo bom" heisst Daumen hoch, egal wie scheisse es Dir geht.
"Tudo bom" ist kein Gruss, sondern ein Dogma, eine Lebenseinstellung (und zwar eine ganz beschissene).

Doch am naechsten Tag kann man das alles schon viel entspannter betrachten!

(Auszug aus Daniels Tagebuch)

Rio de Janeiro (4.10 - 7.10.06)

Kaum in Ribeirão angekommen, zog´s uns auch schon wieder weg.
Nach einer weiteren mehr oder weniger schlaflosen Nacht im Bus, sind wir am Donnerstagmorgen in Rio angekommen.
Nachdem wir in einem Hostel in Botafogo Quartier bezogen hatten (mittlerweile klappt das schon viel schneller), ging´s gleich an den Strand der Straende: die Copacabana!
Allerdings ist die Copacabana nicht unbedingt das was man sich vorstellt. Keine Capoeira-Taenzer, kein Glammer & Samba, nicht mal Palmen! Einzig und allein der Blick auf den Zuckerhut entschaedigt den sonst ziemlich haesslichen, ueberfuellten Strand.
Wieder im Hostel angekommen, machten wir den unglaublichen Fund eines Sandwich-Makers und damit war das Abendessen gerettet.
Gegen spaeter machten wir uns dann auf ins Alternativ-Kuenstler-Viertel Lapa. Dort sind wir in einen uralten Club (seit 1841), den Clube Democraticos, in dem an diesem Abend eine Live-Band spielte, natuerlich Samba und Forró. Es war genauso, wie man sich ein altes suedamerikanisches "Tanzlokal" vorstellt: riesengrosse Deckenventilatoren, eine hohe Decke, schummriges Licht, tanzende Paerchen...
Am naechsten Tag ging´s auf Sightseeing-Tour. Zuerst zum Christus: mit einer Zahnradbahn fuhren wir eine halbe Stunde durch den Wald aufwaerts. Ab der Endstation ging´s noch einige Treppen hoch, bis wir dann den schoenen Ausblick ueber Rio und natuerlich den gigantischen Christus selbst bewundern konnten.
Dank Daniels Reisefuehrer sind wir in der Naehe vom Corcovado (Berg, auf dem der Christus draufsteht) auf ein "lauschiges Plaetzchen" gestossen. "Es ist ein verstecktes Plaetzchen mit huebschen Kolonialvillen."
Nach dieser kurzen Ruhepause ging´s dann weiter ins Zentrum von Rio zum Bummeln.
Auf dem Rueckweg ins Hostel sind wir nochmal nach Lapa, um uns eine Treppe des Kuenstlers Selaron, der normalerweise nur schwangere Frauen malt, anzuschauen. Die "Escadaria do Selaron", deren 215 Stufen der Kuenstler mit Kacheln aus aller Welt befliest, war eines der Highlights des Tages.
Am letzten Tag unseres Rio-Aufenthaltes hatten wir eigentlich geplant in den Nationalpark Tijuca (mit vielen Wasserfaellen) zu gehen. Leider hat uns mal wieder das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht: es hat den ganzen Tag geregnet (der Zuckerhut war sogar dick in Wolken eingepackt). Das Wetter ist zur Zeit nicht gerade unsere Staerke, koennte vielleicht daran liegen, dass gerade Regenzeit ist!
Also war Alternativ-Programm angesagt: Shopping-Center & Kino.
Unseren letzten Abend verbrachten wir auf dem Feira do São Cristovão (einem traditionellen "Tanzmarkt", der jedes Wochenende stattfindet & wo man allerlei zu essen & Krimskrams kaufen kann). Hier absolvierte Daniel auch seinen mehr oder weniger erfolgreichen 3-Sekunden-Jungfernritt auf einem Rodeobullen (hatten leider keinen Foto dabei!).
Und schon ging´s wieder ab nach good old Ribeirão!

Tuesday, October 03, 2006

Santos (28.9. - 1.10.)



Auf die Einlandung von Onkoto (a.k.a. Kenji), einem Halb-Japaner und Achtel-Polen, der ebenfalls in der Ursa wohnt, hin, fuhren wir an diesem Wochenende nach Santos, seinem Heimatort. Santos ist ein kleiner Ort in der naehe von Guarujá, in dem es nicht viel Sehenswertes gibt, ausser Strand. Leider pieselte es die ganze Zeit, so dass der Strand wegfiel.
Was tun in einem Ort, der von seinem Strand lebt?
Die Antwort war klar: Cerveja, Caipis und Bingo!
Wir verbrachten unsere Zeit hauptsaechlich auf Matratzen vor dem Fernseher mit fernsehen.
Und trinken. Und schlafen. Und natuerlich essen.
Nach 3 Tagen faul sein waren wir regeneriert genug um einen Ausflug zu machen. Wir fuhren in das benachbarte Sao Vicente und dort mit einem Sessellift auf einen Berg um die Aussicht, die wegen der Wolken allerdings versperrt war, zu geniessen.
Nur fuer Papa Gnahm!

Fantarda (21.9.06)



Das Fest der Feste...Fantarada! Setzt sich zusammen aus Fantasia und tarada (= triebhaft). Bei uns wuerde man sagen: Verkleidungsparty! Allerdings nehmen die Leute hier das ernster als sie das bei uns tun wuerden...man geht hier in einen Kostuemverleih um sich eine Fantasia zu holen.
Eigentlich ging das ganze schon eine Woche vorher los...naemlich mit der Werbung! Jeder von uns bekam ein fliederfarenes T-Shirt mit der unverkennbaren Fantarada-Frau in Neonfarben vorn drauf (sehr huebsch...vor allem die Jungs waren begeistert von der Farbenauswahl). Und als ob diese wunderschoenen T=Shirts noch nicht genug waeren, wurden auch noch Peruecken, Hula-Hula-Kostueme, Darth-Vader-Masken und diverse andere Acessoires verteilt. Und dann ging`s ans Flyer verteilen...vor der Mensa. Abends wurde dann aus der Party-Hochburg URSA ein Besinnungsort, an dem sich jeder mit Farben auf einem Plakat austoben konnte.
Am 21. war es dann endlich so weit: Franzi alias das Bienchen (abelinha), Steffi als Kiddo von Kill Bill, Barthel unser Superman und als christlichen Beistand hatten wir Pater Daniel an unserer Seite, als wir uns ins Getuemmel aus Superhelden, Schulmaedchen, Feen und Partyboys stuerzten. Zuerst zur Bar, wo es Limetten in Zimtzucker mit Cachaca zum aufwaermen gab...dann ein eiskaltes Bier oder zwei...schlechter Elekto oder doch lieber Forro?...und schon war es fast hell. Zu Forro: 1. total billig, 2. Ersatz fuers Vorspiel, 3. an die Maenner in Deutschland: nehmt euch ein Beispiel...hier steht Paartanz noch ganz oben auf der Liste! Um halb7 kam irgendjemand auf die grandiose Idee den Wasserschlauch anzuschliessen und den uebriggebliebenen Partygaesten eine Abkuehlung zu verpassen und die gesamte URSA unter Wasser zu setzen! Die Jungs bekamen ihren Gelada in den Kuehltruhen fuers Bier und Deckel zu, das blieb uns Maedels Gott sei Dank erspart! Kalt wars trotzdem!!!
Um 8 sind wir Maedels dann tropfnass und immer noch kostuemiert auf dem Weg nach Hause hungergeplagt und ohne Geld in die Baeckerei und haben uns 2 Broetchen geschnorrt. Muss ein lustiger Anblick fuer die anderen Kunden gewesen sein, die gerade ihr Fruehstueck kauften.
Nachdem wir alle ausgeschlafen und uns wieder einigermassen regeneriert hatten, kam das boese Erwachen: Barthels Laptop (mit allen unseren Fotots), seine externe Festplatte, Geld und diverse andere Dinge wurden waehrend der Party geklaut. Damit fing sie an: die depressao depois ballada (Depression nach der Party)...der bisherige Tiefpunkt unseres Brasilienaufenthalts! Mit den Folgen haben wir immer noch zu kaempfen, sei es der finanzielle Verlust, der Muehe mit dem Wiederherstellen der Bilder oder der Reduzierung an Lebensqualitaet wegen des Abhandenkommens der Filme und der Musik (vor allem deutscher Musik)! Aber wir geben nicht auf...die Hoffnung stirbt zuletzt!