MojoBrasilien

Urlaubssemester Brasilien

Thursday, September 14, 2006

Floripa (1.9. – 7.9. 2006):




Nach der einen Woche Uni war nämlich wieder eine Woche vorlesungsfreie Zeit. Warum? Keine Ahnung, aber in dieser Woche lag zumindest auch der Unabhängigkeitstag Brasiliens, der 7.September.
Auf jeden Fall haben wir uns dann am Freitagabend nach Florianopolis aufgemacht, von den Einheimischen liebevoll „Floripa“ genannt. Floripa ist eine Stadt auf der Ilha de Santa Catarina und ist eine ziemliche Bonzen- und Touristengegend. Viele reiche Brasilianer haben dort einen Zweitwohnsitz. Dort ist es aber auch schön, mein lieber Scholli! Es gibt 42 traumhafte Strände mit Sufer-Weltmeisterschaftswellen, idyllische Dünenlandschaften und eine malerische Lagune im Herzen der Insel. Das alles haben wir besucht und bestaunt (natürlich nicht alle 42 Strände, aber die Lagune und die Dünen und so…)
Aber dies war nicht der eigentliche Grund, warum wir uns Florianopolis als nächstes Reiseziel ausgesucht hatten. Zwischen August und November zieht es nämlich jährlich duzende von Glattwalen an die Küsten Südbrasiliens um in den wärmeren Gewässern des Atlantiks ihre Jungen zur Welt zu bringen. Und nach langem hin und her ist es uns am letzten Tag unseres Aufenthaltes in Floripa doch noch gelungen einer Whale-Watching-Tour beizuwohnen. Auch ein ziemlich überwältigendes Erlebnis einen 15 Meter großen Glattwal 8 Meter am Boot vorbeischwimmen zu sehen. Da kommt einem das Boot wie eine Walnussschale im reißenden Ozean des Lebens vor…(das ist nur ein Witz für Barthels Freunde).
Erwähnenswert ist selbstverständlich noch, dass sich unserer Vierergruppe (Jens ist zuhause geblieben und hat ’nen Affen gesucht?!??!?) noch Manu, eine Freundin von der Franzi und deren Freundin, Sabine, angeschlossen haben. Die beiden machen seit nun einer knappen Woche ein Auslandssemester in Florianopolis und frei nach der Weisheit „Die Welt ist ein Dorf“ haben wir sie am zweiten Tag ohne vorherigen Kontakt in der Stadt getroffen. Verrückt, nich wahr!!
Donnerstagabend sind wir dann wieder zurück nach Ribeirao Preto. Und nun wird ab Montag wieder der Uni-Alltag beginnen.
Das war’s fürs erste.
Fühlt euch von uns gegruschelt daheim-gebliebene, bemitleidenswerte, vom-Wetter-geplagte Freunde und Freundinnen, Bekannte und Bekanntinnen, Eltern und noch Ältere, Geschwister und Gebrüder, sowie an alle die schon mal von uns gehört haben!

Guarujá (23.8. – 27.8. 2006):



Vor 2 Wochen haben wir unseren ersten Kurztrip hinter uns gebracht. Durch Zufall haben wir am Mittwoch erfahren, dass unser Kurs für den Rest der Woche ausfällt (warum wusste niemand). Um was gegen unsere blasse Haut zu tun, beschlossen wir, diese freie Zeit für einen spontanen Kurztrip nach Guarujá zu nutzen und ein bisschen Sonne zu tanken. Da Winter ist, war der sonst laut Reiseführer überlaufendste Strand Brasiliens recht leer. Somit hatten wir ihn so ziemlich für uns alleine und verbrachten dort die meiste Zeit am Strand und im Wasser. Während die Mädels sich am Strand mit ihren Büchern in der Sonne aalten, machten Barthel und Daniel erste Versuche auf dem Surfbrett.
Nicht nehmen lassen haben wir uns auch einen Besuch im größten meeresbiologischen Aquarium Südamerikas „Aqua Mundo“. Es ist zwar nicht wirklich bedeutend größer als das Aquarium in der Wilhelma, aber trotzdem ein Muss für jeden verantwortungsvollen Biologen.
Nach 4 Tagen sind wir dann auch schon wieder zurück um eine weitere Woche Uni-Alltag hinter uns zu bringen, die dann doch nur aus 3 halben Tagen bestand. Also ihr seht: überarbeiten tun wir uns hier nicht!

Behörden


Allgemein ist zu sagen: „Brasilien ist ein einziges grosses Arbeitsamt! Überall muss man Nummern ziehen und warten!“
(Zitat Daniel)
Eigentlich ja kaum zu glauben, das die deutsche Bürokratie zu toppen ist! Aber hier in Brasilien ist noch alles viel komplizierter: man braucht überall ein Formular und beglaubigte Kopien, selbst auf der Bank muss man eine Nummer ziehen!
Allerdings, was das Unglaublichste von allem ist: bei der Polícia Federal gibt es für die Ausländer extra Steinbänke (siehe Foto), während die Brasilianer auf bequemen gepolsterten Sesseln warten dürfen. Der Oberhammer ist allerdings, dass kein Brasilianer da war!! Deswegen hat sich Franzi tatsächlich dazu erdreistet auf so nen bequemen Sessel zu setzen, wurde aber gleich zurecht gewiesen, dass die Ausländer bitte auf die Steinbank sitzen sollen, damit keine Missverständnisse entstehen! Nach der ganzen Warterei, wurden uns dann Fingerabdrücke genommen (wie bei Schwerverbrechern) und jetzt sind wir ganz offiziell Brasilianer-auf-Zeit. Auf die Sessel dürfen wir trotzdem noch nicht!

Studieren an der USP (15.8. - ????):


Von der Ursa aus gibt es 3 verschiedene Möglichkeiten an die USP zu kommen:
man läuft: das haben wir das erste Mal gemacht, ist aber ein Fußweg von ca. 60 Minuten und geht steil bergauf und lässt sich bei den Temperaturen (tagsüber selten unter 30 Grad) und der extrem niedrigen Luftfeuchtigkeit nur mühsam bewerkstelligen.
man fährt mit dem Bus: hierzu muss man sich sehr viel Zeit nehmen, da sich die Busse an keinen bis jetzt mir bekannten Zeitplan halten. Man stellt sich an eine Haltestelle (ein blauer Pfosten) und winkt lauthals, wenn der richtige Bus kommt, schiebt sein 1,90 Reais (=70 Cent) teure Ticket in nen Schlitz und passiert ein Drehkreuz. Winkt man nicht, fährt er vorbei. Darum empfiehlt es sich immer, jemanden ohne Sehschwäche dabei zu haben, da man sonst ganz eventuell zu spät erkennen könnte, dass der Bus der gerade kommt der richtige ist, nicht winkt und dann nochmal unbestimmte Zeit warten muss. Für den 5er-Trupp, den wir die meiste Zeit formen ist diese Möglichkeit die geläufigste.
man greift zum Hörer: und ruft sich ein Moto-Taxi. Dieses bringt einen für 3 Reais hoch an die Uni. Moto-Taxis sind Motorräder, auf die man aufsteigt, den mitgebrachten Helm aufzieht, der meistens zu gross ist, da er ja jedem Fahrgast passen sollte und die mit einem dann über den von Nikolausbelag verschonten und mit Schlaglöchern gespickten Asphalt pacen. Dies ist allerdings nur realisierbar, wenn man zu zweit, vielleicht zu dritt an die Uni will.



An der USP genießen wir den Stellenwert von Doktoranden und dürfen deshalb theoretisch alle Kurse, Vorlesung und sonstige Veranstaltungen besuchen, für die wir uns interessieren. In der Realität allerdings sieht es so aus, dass wir 3-4 Kurse in Blöcken machen können, da alles andere schon angefangen hat und das verbleibende Angebot mehr als gering ist. Im Moment haben wir einen dreiwöchigen Kurs mit dem Thema „Neurobiologie des Missbrauchs von Drogen“ so gut wie hinter uns gebracht und Mitte nächster Woche beginnt auch schon unser nächster Block mit dem Thema „Hormonelle Steuerung der Insektenentwicklung“ oder so ähnlich. Das gute an diesen Blöcken ist, dass man dazwischen immer mal wieder ein paar Tage Zeit hat um irgendwo hinzufahren.
Von der Sprache her klappt es noch nicht wirklich gut. Irgendwie haben wir uns das alle einfacher vorgestellt. Wir besuchen zurzeit noch ’nen total überteuerten Sprachkurs, in der Hoffnung, dass sich baldiger Erfolg einstellt.

An- und Unterkünfte (13.8. - ????):

Hallo an alle daheim-gebliebenen, bemitleidenswerten, vom-Wetter-geplagten Freunde und Freundinnen, Bekannte und Bekanntinnen, Eltern und noch Ältere, Geschwister und Gebrüder, sowie an alle die schon mal von uns gehört haben!

An- und Unterkünfte (13.8. - ????):
Nach ca. 28 Stunden Autofahrt, Flug und Busfahrt kamen wir endlich in unserer ersten Unterkunft an, der Republica Ursa Maior (Großer Bär).
Steffi und Franzi (XIK [Schika]) sind am zweiten Tag in eine Frauen-WG 5 Minuten entfernt von hier gezogen, in der noch 3 Brasilianerinnen und ein Brasilianer und Jimmy, der liebenswerte WG-Hund, der sein Geschäft äusserst gern im Hof erledigt, wohnen. Im Gegensatz zu den Jungs, haben die Mädels einen Schrank und ein eigenes Bad und normale Betten und einen Ventilator und vor allem eine Tür!(Was für ein Luxus!)
Die Ursa ist für Daniel, Jens und Barthel und eigentlich für uns alle zu unserer neuen Heimat geworden, da wir hier die meiste Zeit verbringen und die URSAner uns gleich herzlich aufgenommen haben. Da Jens schon 4 Wochen länger da ist, hat er sich in ein Zimmer mit einem Brasilianer und Möbeln einquartiert. Daniel und Barthel hausen momentan noch auf Matratzen in einem unmöblierten und türlosen Raum.
Zur URSA, die am Campus als Party-WG bekannt und berüchtigt ist, gehören 6 Brasilianer (ehemals 7, aber einer musste aufgrund überschwänglichen Drogen-Konsums auf Befehl seines Vaters die WG wechseln), wir 3 Deutschen und 2 WG-Hunde, Tumor ein durchgeknallter Boxer, der den Tag damit verbringt Schatten an Wänden und auf Böden zu fangen und Zumbi, ein schwuler Irgendwas, der nicht nur sich selbst die Eier leckt und stark an Knecht Ruprecht der Familie Simpson erinnert.
„Sauber“ gehalten wird die Ursa von einer Haushaltshilfe, Luciana, die neben Putz- auch grandiose Kochqualitäten aufweist, und von Montag bis Freitag fürs warme Abendessen sorgt.
Hat man mal früher oder später Hunger, greift man hier zum Hörer und bestellt sich ’nen X-Burger (die sind soooo lecker) mit allem drauf, dazu 2 Bier (0,66l) und evtl. ’ne Schachtel Kippen für nen Mitbewohner per Lieferservice für 4 Euro nach Hause. Funktioniert rund um die Uhr und auch mit Schaaaa naaa naaa naps, falls beim hier geläufigen Trinkspiel „Moedinha“, alias „Little Coin“, alias „Quartern“, alias „Ne-Münze-per-Aufsetzer-in-ein-Glas-werfen-und-andere-trinken-lassen“ das Spielgetränk ausgeht.
Moedinha wird allerdings nicht immer gespielt. Nur, wenn gerade nirgends eine Fete im Gange ist (also ca. 2 Mal die Woche).
Auf die einzelnen Bewohner hier werden wir wohl erst im Laufe der Zeit eingehen, da jeder hier für sich seinen eigenen kleinen Bericht verdient.